Wie erstelle ich eine Online-Lernumgebung?

18.04.2020 – Im „normalen“ Unterricht wird ein Gegenstand eingeführt, erläutert und dann begleitend bearbeitet und besprochen. Werden Hausaufgaben aufgegeben, werden diese in der nächsten Präsenzphase präsentiert und besprochen. 

Der digitale Unterricht ist jedoch kein Präsenzunterricht. Die Heterogenität der Schülerschaft verstärkt sich durch die unterschiedlichen technischen, sozialen und persönlichen Voraussetzungen. Lehrkräfte können nicht davon ausgehen, dass jeder zur selben Zeit am PC sein kann (oder einen PC zur Verfügung hat). 

Als Konsequenz daraus sollten Lehrkräfte sich vorher überlegen, wie sie den digitalen Unterricht strukturieren wollen und welche Aufgaben sie an die Schüler:innen verteilen. Effizient wäre es natürlich, wenn ganze Fachschaften oder Schulen diesbezüglich einheitliche Regeln festlegen würden. 

Digitaler Unterricht verlangt nach anderen Formen der Strukturierung im Vergleich zu Präsenzunterricht. Eine Möglichkeit ist, auf verbindliche Flexibilität und kreative Individualisierung zu setzen. 

Schaffen von verbindlicher Flexibilität:
die 4+1 Tage-Regel

Verbindliche Flexibilität bedeutet, dass Lehrkräfte die Zeitspanne, in der Schüler*innen Aufgaben normalerweise erledigen sollen, verlängern. Dabei werden die Aufgaben nicht nach dem Stundenplan, sondern nach einer gewissen Zeit eingesammelt. Innerhalb dieser Zeitvorgabe sind die Schüler*innen jedoch frei in der Entscheidung, wann sie die Aufgaben bearbeiten wollen. Der Lehrer und Blogger Bob Blume schlägt dafür 4+1 Tage vor. 

Nach der Verteilung der Aufgaben können diese innerhalb von vier Tagen in eigenem Tempo bearbeitet werden. Am vierten Tag erfolgt die Abgabe der Aufgaben. Jetzt ist für die Lehrperson Zeit, die Aufgaben anzuschauen. Anstatt alle Aufgaben bewerten zu müssen, ist die Bereitstellung ausgewählter Positivbeispiele (ein/ zwei besonders gute Arbeitsergebnisse) sinnvoll. 

Am nächsten (fünften) Tag erfolgt zu einem festgelegten Zeitpunkt die Nachbesprechung der Aufgaben. Verschiedene Möglichkeiten der digitalen Nachbesprechung sind denkbar:

  • Videokonferenz: In einer Videokonferenz kann das Positivbeispiel besprochen und Nachfragen gestellt werden.
  • Audiodatei: Über eine Audiodatei, die über die digitale Lernumgebung, einen Messenger oder eine Cloud zur Verfügung gestellt wird, können allgemeine Fehler mitgeteilt und Anweisungen zur Überarbeitung gegeben werden.
  • Schriftliche Rückmeldung: Auch mit einer E-Mail kann den Schüler*innen ein Feedback zur bearbeiteten Aufgabe gegeben werden.

Nähere Informationen liefert das FAQ Wie erstelle ich eine Online-Lernumgebung?

Tipp: 

Es ist hilfreich, den Schüler*innen ein System zur Benennung von Dateien/ bearbeiteten Aufgaben vorzugeben. Den Schüler*innen wird ein Stichwort für die Aufgabe genannt, dann erfolgt die Benennung folgendermaßen: Stichwort_Datum[YY-MM-DD]_Pseudonym Schüler*in.

Wieso sind Pseudonyme für die Online-Lehre sinnvoll?

Die Aufgabenstellung:
Fokus auf kreative Individualisierung 

Online-Lehre bietet das Potenzial, kreative Langzeitaufgaben zu stellen und diese mit multimedialen Lerninhalten zu verknüpfen. Zur Gestaltung solcher Langzeitaufgaben schlägt der Lehrer und Blogger Bob Blume vor, Schüler*innen ein kleines Arsenal an Pflichtaufgaben und ein größeres Angebot aus motivierend gestalteten, offenen Wahlaufgaben zu geben. Ein kreatives Setting könnte ein Lesejournal sein. 

Lehrkräfte sollten sich jedoch auch der diversen häuslichen Betreuungssituationen bewusst werden – nicht alle Schüler*innen bringen die selben Voraussetzungen mit. Ein empathischer und verständnisvoller Umgang, die Ermutigung zur Kommunikation und Kollaboration, sich gegenseitig zu helfen und Rückfragen an Mitschüler*innen und die Lehrkraft zu stellen, ist eine wichtige Bedingung für das Gelingen des Online-Unterrichts. 

Schon die kurze Zeit hat gezeigt, dass, wenn die Aufgaben motivierend gestaltet sind, die Schüler*innen viel mehr machen, als sie eigentlich müssten. Und wenn nicht: Dann ist das auch in Ordnung.

Bob Blume

Wo finde ich Unterrichtsideen?

Von wem stammen die FAQs?

Die Hinweise und Tipps sind eine Zusammenstellung der AG Digitale Lehre und des Schulnetzwerks des ZfL der Uni Köln, Bastian Granas und derzeit täglich hinzukommenden Informationen aus aktiven Netzwerken wie dem #twitterlehrerzimmer, außerdem dem Blog der Bildungspunks, dem Blog von Bob Blume, der Blog von Nina Toller, der pädagogischen Hochschule Schwyz, der Bundeszentrale für politische Bildung, dem Hochschulforum Digitalisierung, dem Moodletreff und edulabs.